Im November 2025 brechen wir zu unserer ersten gemeinsamen Fotoreise nach Island auf. Schon lange zieht uns die Vorstellung dieser rauen und zugleich vielseitigen Landschaft an, Eis und Feuer, Gletscher und Vulkane, begleitet von der Hoffnung, die Nordlichter zu sehen.
Die Reise beginnt zu Hause, mit der Planung. Wir entscheiden uns bewusst für den November. Zu dieser Jahreszeit steht die Sonne tief und taucht die Landschaft den ganzen Tag über in ein weiches, goldenes Licht. Gleichzeitig hoffen wir auf Schnee, um Island in seiner ganzen Dramatik zu erleben. Ein zusätzlicher Glücksfall, im Jahr 2025 erreicht die Sonnenaktivität ihren Höhepunkt, was unsere Chancen auf starke Nordlichter deutlich erhöht.
Um uns nicht zu verzetteln, verzichten wir auf die Ringstrasse und konzentrieren uns stattdessen auf den Westen und die Südküste. So bleibt genügend Zeit, an den für uns wichtigsten Orten wirklich anzukommen und zu fotografieren.
Vesturland
Nach der Landung in Keflavik übernehmen wir unseren Mietwagen und fahren Richtung Borgarnes, zu unserer ersten Unterkunft. Der Himmel ist zunächst stark bewölkt, weshalb wir uns am ersten Tag für eine Erkundung rund um den Snæfellsjökull Nationalpark entscheiden. Dort stossen wir auf den Leuchtturm Svörtuloft und machen unsere ersten Aufnahmen.
Mit der Zeit lichtet sich die Wolkendecke. Die Sonne bricht durch und legt ein dramatisches Licht über die weite Lavalandschaft. Wir sind die einzigen vor Ort, verlieren jedes Zeitgefühl und fotografieren, bis die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet.

| Roger Schoenbaechler | |
| SONY ILCE-7RM5 | |
| 150-600mm F5-6.3 DG DN OS | Sports 021 | |
| 5 | |
| 100 | |
| 1/500s | |
| 157.2mm |
Die Nordlicht Prognose für die kommenden Tage verspricht nur wenig Aktivität. Wir entscheiden uns für ein gemütliches isländisches Abendessen. Wir verlassen das Restaurant und schauen in den Himmel. Völlig unerwartet sehen wir einen hellen Lichtstreifen direkt über uns. Für einen Moment stehen wir still, dann setzt Euphorie ein. Wir schnappen unsere Kameras und rennen.
Zuerst herrscht Chaos. Wir wissen nicht, wo wir stehen bleiben sollen, was wir zuerst fotografieren oder wie lange dieses Schauspiel überhaupt anhält. Einstellungen werden hastig angepasst, Stative ausgezogen und wieder versetzt. Die Lichter verändern sich ständig, verschwinden kurz, um dann noch stärker zurückzukommen.
Nachdem wir die ersten Aufnahmen gemacht haben, kehrt langsam Ruhe ein. Wir beginnen, die Szenerie bewusster wahrzunehmen. Roger startet Zeitraffer Aufnahmen, Erik steht daneben, sichtlich überwältigt, es ist das erste Mal, dass er Nordlichter sieht. Die anfängliche Nervosität weicht stiller Konzentration.
Die verbleibenden Tage in Westisland verbringen wir zwischen Wasserfällen, Geysiren und Vulkanlandschaften, unterbrochen von einem Ausflug nach Reykjavik. Dann ziehen wir weiter, mit dem Gefühl, bereits mehr erlebt zu haben, als wir erwartet hatten.

| Erik Csosza | |
| SONY ILCE-7M4 | |
| FE 16-35mm F4 ZA OSS | |
| 4 | |
| 1000 | |
| 6s | |
| 16mm |
Suðurland
Unsere zweite Unterkunft liegt im Süden Islands. Von hier aus fahren wir zuerst Richtung Osten, zum Diamond Beach. Der schwarze Sandstrand ist übersät mit Eisbrocken, die aus dem Gletschersee Jökulsárlón angespült werden. Jedes Stück Eis wirkt wie eine Skulptur, geformt von der Natur. Die feinen Strukturen und Details fesseln Erik stundenlang.
Weiter geht es nach Stokksnes, mit dem Ziel, die imposanten Vestrahorn Berge zu fotografieren. Vor Ort warnt uns das Personal im Viking Cafe vor den starken Winden und rät dringend davon ab, mit dem Auto auf die Halbinsel zu fahren. Das Wetter spielt nicht mit, wir merken uns den Spot für einen anderen Tag.
Die nächsten Tage sind von einer dichten Wolkendecke geprägt. Wir passen uns an und stellen ein Schlechtwetterprogramm zusammen. Kurze Wanderungen führen uns zum Svartifoss, zum bekannten Flugzeugwrack von Sólheimasandur, und wir lassen unsere Drohne über dem Gletscher Svínafellsjökull steigen.
Zwei weitere Male kehren wir zu den Vestrahorn Bergen zurück. Beim nächsten Besuch erleben wir einen eindrucksvollen Sonnenuntergang, der die Berge in warmes Licht taucht. Starke Sonnenwinde sollen gegen 18:00 Uhr für Nordlichter sorgen. Wir essen im Viking Cafe zu Abend, während sich die Prognose immer weiter nach hinten verschiebt. Nach vier Stunden, beschliessen wir, dass wir genug gewartet haben und kommen am nächsten Tag noch einmal zurück.
Beim letzten Besuch haben wir endlich Glück. Die Nordlichter erscheinen und fügen sich nahtlos an den Umriss der Berge ein. Stundenlang bewegen wir uns durch den schwarzen Sand, Schritt für Schritt, nur erhellt vom Licht der Nordlichter und den Sternen. In der Dunkelheit tauchen immer wieder kleine Hügel, Büsche oder angespültes Holz auf, die wir bewusst als Vordergrund einsetzen. Die Nordlichter bleiben, verändern sich stetig und begleiten uns durch den ganzen Abend, ein würdiger Abschluss dieser Reise.

| Erik Csosza | |
| SONY ILCE-7M4 | |
| FE 16-35mm F4 ZA OSS | |
| 11 | |
| 100 | |
| 1/640s | |
| 16mm |

